Realpolitik wäre eigentlich Synonym für realistische Politik, aber dient im Sprachgebrauch eher dazu, Kritik an der Politik als "unrealistisch" abzutun und sich der Verantwortung für die eigenen Entscheidungen dadurch zu entziehen, dass keine andere Möglichkeit sei und als gelte es, "Sachzwänge" zu bedienen.

Beispiel: Als in den Siebzigern der Streit entbrannte, ob die Energiepolitik auf Energieeinsparung und alternative Energien setzen soll oder auf die Atomenergie, da quakten die Lobbyisten der Atomwirtschaft und ihre parlamentarischen Freunde "Die Lichter gehen aus, wenn wir auf Atomkraftwerke verzichten!" und stellten die Weichen, bauten die Kernenergie aus, taten nicht für die Energieeinsparung, so dass aus ihrer Politik tatsächlich "Sachzwänge" entstanden, mit nun noch größerem Aufwand zu einer Politik mit alternative Energien überzugehen.

-msr-200805

 

"Realpolitik" ist beliebte Sprechblase von Politikern, die Kritik an ihrem Treiben als "unrealistisch" verunglimpfen. 

Der Begriff "Realpolitik" macht aber nur Sinn, wenn sein Betreff die "reale Politik" ist.. 

"Realpolitik" ist also bspw., ob die Schere zwischen Armen und Reichen im Land und weltweit größer oder kleiner wird. 

"Realpolitik" ist also bspw., ob die Naturzerstörung zunimmt oder abnimmt. 

"Realpolitik" ist, dass unsere Regierung eine atomwaffenfreie Welt will, aber der Atomwaffenmodernisierung zustimmt. 

Huch, da werden die selbstgefälligen "Realpolitiker" sagen: "Das liegt doch nicht an uns!!!!" 

Tja, an wem denn dann, wenn nicht an denen, die regieren? 

Und warum regiert Ihr dann? 

Hmm, weil ich Euch wähle. 

Okay, alles meine Schuld - und Ihr könnt nüscht dafür, wat Ihr daraus macht. 

Markus S. Rabanus   20170717   20181117

 

Begriffe:  Weltverbesserer, Utopie, Fatalismus, Realitätsferne

 

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