Kofi Annan 

Es wird überlegt, ob wir mit unserem diesjährigen www.Weltfriedenspreis.de den scheidenden UNO-Generalsekretär Kofi Annan ehren.

Teilweise lautet der Einwand, dass Annan schon höchste Ehren empfangen habe, vor allem den Friedensnobelpreis des Jahres 2001, so dass eine Wiederholung keinen Sinn mache, zumal auf geringem Niveau unserer Öffentlichkeit.

Prinzipiell kann aber nicht gelten, dass wir unsere Entscheidung davon abhängig machen, ob ein Nominierter schon mehrfach oder noch nie geehrt worden ist, sondern einzig und allein davon, wen wir für denjenigen halten, der im Betreffsjahr die höchste Autorität zur Verhinderung oder Minderung militärischer Selbstjustiz walten ließ.

Im Jahr 2006 war bislang hauptsächlich durch drei Krisen und Konflikte gekennzeichnet: 

1. Der Dauerstreit um das tatsächliche oder vermeintliche Atomwaffenprogramm des Iran.

2. Der Dauerstreit um das von Nordkorea eingestandene Atomwaffenprogramm.

3. Der jahrzehntelange Nahostkonflikt mit erneutem Israel-Libanon-Krieg.

Die genannten Konflikte sind von grundsätzlicher Bedeutung für die Weltsicherheit in ihrer Gesamtheit, was sie in der Dimension spezifiziert, nicht aber das Leid durch andere, weniger beobachtete Kriege relativieren soll.

Prüfen wir, wessen Stimme gegenüber der drohenden oder passierten militärischen Selbstjustiz zu genannten Konflikten am vehementesten und würdigsten hörbar wurde. 

Zu den Streitigkeiten mit dem Iran und Nordkorea fehlt es an mächtigen Friedensstimmen annähernd gänzlich. Die Kompromiss-Vorschläge erscheinen halbherzig oder wollen auf Lösungen hinaus, mit dem sich die Atomwaffenmächte Glaubwürdigkeitsverluste bescheren, solange sie nicht auch ihren eigenen Atomwaffenbesitz zur Disposition stellen.

Gegen den Libanonkrieg gingen von Kofi Annan und der französischen Regierung die mächtigsten Impulse aus, wobei die französische Regierung ausschlaggebend für den Waffenstillstand war, aber sich für unseren Friedenspreis-2006 disqualifiziert hat, weil sie politisch mithaften soll für die vollkommen wahnsinnige Atomkriegsdrohung  des französischen Präsidenten gegenüber dem Iran.

So bleibt uns Kofi Annan, auch wenn sein Friedensdrängen weniger Erfolg hatte, weil jedoch sein Amt noch immer nicht mehr hergibt, um die Veto-Mächte im Weltsicherheitsrat zu beeindrucken.

Zugleich mit der Würdigung seiner diesjährigen Verdienste kann Annan aber ruhig auch für den Stil seiner langjährigen Amtsführung geehrt werden, insbesondere sein Bemühen um überfällige Reformen der Vereinten Nationen, die nicht nur an der Politik der Vetomächte scheiterten, sondern auch an den nationalistischen Sonder-Interessen vieler anderer Staaten, denen beispielsweise eine Aufnahme in den Club der privilegierten Dauermitglieder im Weltsicherheitsrat wichtiger war als dessen Demokratisierung.

Wenn nicht noch bis zum Jahresende gute oder schlimme Überraschungen stattfinden, so würde ich den scheidenden UNO-Generalsekretär Kofi Annan für den verdientesten  Friedenspreisträger des Jahres 2006 halten.

Das Wirken der anderen Nominierten hat zwar ebenfalls Bezug zu Friedensfragen, insbesondere bei  Friedensforschern, aber ihre Schwerpunkte liegen entweder eher im akademischen Bereich oder in der Demokratie- oder Hilfsprojekt-Förderung und weniger im unmittelbar politischen Machteinsatz zur Hinderung und Minderung militärischer Selbstjustiz, dem die Hauptaufmerksamkeit unseres Friedenspreises gilt.

Um dieses Profil unseres Friedenspreises zu wahren, sollte eher mal ein Jahr auf Ehrungen verzichten werden, was obendrein auf die Säumnisse der Mächtigen hinweist.

Liebe Grüße von Sven 200610    >> DISKUSSION


offizielles Web >> Biography of Kofi Annan

weitere Infos >> http://de.wikipedia.org/wiki/Kofi_Annan

>> Die Vereinten Nationen während der Amtszeit von Generalsekretär Kofi Annan 

>> UN bzw. UNO Zeittafel und Inhaltsübersicht  

 

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